02.12.2023

Helfen bis zur Erschöpfung

Schicksal Die Pflege des Ehemanns, Haushalt, Umgang mit Ämtern und Ärzten, dazu ihre
Ausbildung: Jasmin K. hat Angst, ihr Kind zu vernachlässigen.


Jasmin K. ist erschöpft. Es kommt selten vor, dass sie sich in Ruhe hinsetzen und Zeit nehmen kann für ein Gespräch. „Es müsste zwei Jasmins geben“, sagt die 29-Jährige. Die könnten die vielen Aufgaben
entspannt bewältigen und sich so um die fünfjährige Tochter kümmern, wie sich Jasmin K. (Name geändert) das als Mutter wünscht. Stattdessen habe sie oft ein schlechtes Gewissen, weil sie so wenig Zeit habe fürs Kind.

Viele Medikamente
Vor etwa sechs Jahren erkrankte ihr Mann. Seine Haut begann sich zu schuppen, zunächst nur an ein paar wenigen Stellen, doch bald schon am ganzen Körper. In der Folge entzündeten sich die Gelenke, insbesondere der Finger. „Ihm fallen die Sachen aus der Hand“, sagt Jasmin K. Mit „fünf oder sechs“ unterschiedlichen Salben für die verschiedenen Körperteile cremte sie morgens und abends ihren Mann ein. Zwei Jahre lang,
Tag für Tag. Er trug seinen Teil bei, indem er von heute auf morgen mit dem Rauchen aufhörte. Als die Behandlung mit Salben, Medikamenten, Bädern und Lasertherapie auch nach zwei Jahren keine Besserung brachte, bezahlte die Krankenkasse ein Mittel, das gespritzt werden muss und das Immunsystem unterdrückt. Die Psoriasis-Symptome gingen nicht komplett, aber deutlich zurück.
Doch am Silvester-Abend 2020 kam mit dem Ergebnis des Blutbilds die nächste Hiobsbotschaft ins Haus: Der Ehemann und Vater ist an Leukämie erkrankt. Die Medikamente dagegen verursachen Schwindel, Übelkeit und Haarausfall. Mittlerweile ist er in Pflegegrad 3 eingestuft. So wird die Familie einmal wöchentlich von einer Haushaltshilfe unterstützt. „Manchmal geniere ich mich vor ihr, wenn in der Wohnung Chaos herrscht“, sagt Jasmin K.
Einkaufen, Wäsche, Besuche beim Kinderarzt, der Gang zur Apotheke, „wenn der Mann wieder mit einem Stapel Rezepte kommt“, und vor allem der Umgang mit Ämtern kosten viel Zeit und Nerven. Um unabhängig zu sein von Sozialleistungen „und weil ich nicht weiß, was die Zukunft bringt“, hat sie 2021 eine Ausbildung zur Kinderpflegerin begonnen. Zuvor hatte sie keinen Beruf erlernt. Da ihre Mutter alleinerziehend und krank war, übernahm Jasmin K. sehr früh Verantwortung. „Die Jugendzeit war nicht einfach“, sagt sie im Rückblick. Gleich nach dem Schulabschluss jobbte sie im Einzelhandel und in der Gastronomie, trug so zum Unterhalt der Familie bei und sorgte zugleich für ihre jüngeren Schwestern. Mit 20 Jahren lernte sie ihren Mann kennen, drei Jahre später wurde sie – „ungeplant“ – schwanger. Arbeit am Wochenende und Abend, wie in Einzelhandel und Gastronomie üblich, kommt für sie als Mutter nicht mehr infrage, zumal ihr Mann ihr nichts abnehmen kann, sondern selbst Pflege benötigt. Zurzeit absolviert sie das Anerkennungsjahr in einem Kindergarten und ist dort sehr glücklich. Sie liebt den Umgang mit den Kleinen, auf die sie sehr einfühlsam eingeht.
Auch mit ihrer Tochter würde sie gerne mehr spielen und basteln. „Doch wenn ich von der Arbeit komme und sehe, was daheim liegengeblieben ist, muss ich mich erst darum kümmern.“

Kein Geld für den Führerschein
Leichter wäre es für sie, wenn sie einen Führerschein hätte und mit dem Auto zur Arbeitsstelle am anderen Ende der Stadt und zum Einkaufen fahren könnte. Da könnte sie viel Zeit sparen. Ihre Mutter brauche ihren alten und schon etwas klapprigen Wagen nicht, „der steht eh‘ nur rum“. Doch Geld für einen Führerschein hat sie nicht, es reicht gerade so zum Leben – auch dank Lobbycard und Wohngeld-Zuschuss. Darauf, so hofft Jasmin K., möchte sie aber nicht mehr lange angewiesen sein. Die 29-Jährige wünscht sich Unabhängigkeit von Behörden und etwas mehr Zeit für sich und ihre kleine Familie. Ein Ausflug mit der Familie oder gar ein Tapetenwechsel für ein Wochenende – „das wäre wunderbar“.

Direkte Hilfe für Jasmin K.
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auf der Überweisung das Stichwort
„Jasmin K.“



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in Artikel von: Barbara Hinzpeter