24.12.2024
Sinfonisch beseelter Klangfluss mit Kraus, Kraus und Freunden
Die Christmas Night in der Pauluskirche bietet einmal mehr ein Klangerlebnis der Extraklasse, von einem Quintett der Könner zu sinfonischer Größe geweitet.
Alle Jahre wieder fragt man sich, wie das Kern-Trio der „Christmas Night“ das Publikum in der Pauluskirche erneut überraschen kann. Ulms Ausnahmebläser, der Trompeter Joo Kraus und der Saxofonist Dieter Kraus, haben gemeinsam mit dem Organisten Andreas Gräsle in der Vergangenheit die Latte immer höher gelegt, um ohne die üblichen Weihnachtslieder eine mehr als nur besinnliche Atmosphäre in den Kirchenraum zaubern zu können.
Mit der „Fanfare of the Common Man“ begann das Konzert zugunsten der Aktion 100 000 auf der Empore im Trio-Format hymnisch, um die Kirche mit „Prayer“ aus der Feder von Joo Kraus dann geradezu kaskadenhaft zu füllen. Der Violinist Gregor Hübner und sein Bruder Veit am Kontrabass wurden wie im vergangenen Jahr ein elementarer Teil der sinfonischen Weitung dieses außergewöhnlichen Musikereignisses.
Die grandiose musikalische Predigt führte beseelt direkt zum Kap der guten Hoffnung, und dessen Komponist Gregor Hübner hatte wohl auch den „Sunday Song“ seines Freundes Richie Beirach in Spiel gebracht. Starke gestrichene Bassmomente, wärmende Orgelklänge und solistische Leckerbissen waren der Klebstoff zwischen den mit feinem Gespür ineinander verwobenen Stücken: etwa „Playing Love“ von Ennio Morricone, arrangiert von Andreas Gräsle, Ola Gjeilos „The Rose“ oder „Nimrod“ aus Elgars Enigma-Variationen.
Jede Menge kompositorischer Tiefgang, doch niemals zu schwer. Dazu Filmmusikalisches von Max Richter und zuletzt das Andantino aus Tschaikowskis vierter Sinfonie. Deutlich mehr als eine Stunde aus einem Guss. Dann stürmischer Beifall der knapp 800 und in den Zugaben doch noch Fest-Klassiker. „Stille Nacht, Heilige Nacht“, in dem auch andere Weihnachtslieder improvisierend umkreist wurden, und zuletzt „Ihr Kinderlein, kommet“ als leichtfüßiges Finale dieser in sich so stimmigen Christmas Night.
ein Artikel von Udo Eberl



