24.01.2025
Geschockt vor Freude
Die Tränen fließen und manchmal plumpst auch ein Stein vom Herzen: Bei der Spendenübergabe an vom Schicksal besonders hart angefasste Menschen lösen die Schecks viele Gefühle aus.
Sie kommen mit dem Auto, Fahrrad, zu Fuß, an der Krücke, mit dem Rollstuhl, mit Tochter im Kinderwagen und mit Hund im Schlepp. Acht Menschen, deren besonders schwere Schicksale in den vergangenen Wochen detailliert vorgestellt worden waren, hat Aktionsleiter Chris Mertl zur persönlichen Spendenübergabe in die Cafeteria der SÜDWEST PRESSE geladen.
„Wir sammeln für Menschen in Not. Wen es besonders schwer getroffen hat, für den haben wir spezielle Spendenaufrufe gestartet“, sagt Mertl bei der Begrüßung. Er hoffe, dass das Geld eine wertvolle Unterstützung sei und das Jahr 2025 damit für die Geladenen ein gutes werde.
Kaum sind die ersten Umschläge übergeben, fließen die Tränen. Die Mutter der Familie L.* schluchzt, ihr Mann nimmt sie in den Arm. Ein Bandscheibenvorfall der Frau und die Arbeitslosigkeit des Alleinverdieners hatten die Patchwork-Familie mit vier Kindern so in Geldnot gestürzt, dass sie viel vom Hab und Gut verkaufen mussten. „Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen“, sagt der Vater. Mit dem Geld könne man endlich die säumige Wasserrechnung bezahlen und die Kinderzimmer etwas möblieren.
Auch die Spende an Familie M.* soll in Möbeln angelegt werden, denn ihre Wohnung wurde vor Weihnachten durch einen Brand verwüstet. „Wir haben Sachspenden bekommen, für die wir sehr dankbar sind, müssen aber trotzdem noch etwas dazukaufen“, sagt Elham M.* Vielleicht springe sogar noch ein Spielzeugauto für den Sohn und eine Puppe für die Tochter heraus.
„Ich habe einen Schock. Ich freue mich“, presst der Ehemann von Katharina M.* heraus, nachdem er den Scheck in Händen hält. Er weint und kann kurz nicht reden. Der Mann ist in Vertretung seiner schwerkranken Frau gekommen, die an Krebs und starken Schwellungen an den Beinen leidet. Ihr gehe es momentan besser, weil ein Leser ein gebrauchtes Lymphdrainage-Gerät vorbeigebracht habe. Mit der Spende werde er das Bad behindertengerecht umbauen. „Vielleicht springt auch ein schönes Essen heraus, denn wir haben bald Hochzeitstag“, sagt er leise.
Gabriela S.* kann ihren momentanen Zustand kaum in Worte fassen. „Es ist ein schönes und zugleich ein trauriges Gefühl, die Spende in Empfang zu nehmen“, sagt die Frau, die Knall auf Fall arbeitslos wurde, deren Mann krank ist, und beide bald ohne Wohnung sind. „Ich nehme die Spende gerne an, das ist schön. Aber, dass ich es nicht ohne Hilfe schaffe, ist traurig“, meint sie und schiebt nach: „Schreiben Sie, dass ich unendlich dankbar bin.“ Mit dem Geld will sie einen Eisschrank kaufen.
„Ich kann mich bloß ganz herzlich bei den Spenderinnen und Spendern und dem Aktionsteam bedanken“, sagt Jürgen S.*, der von seinem kleinen Hund begleitet wird, der ihm „Freund und Therapeut“ ist. Weil Jürgen S. psychisch krank ist, kämpft er mit der Armut. Sein Auto Baujahr 1999 tut nicht mehr. Mit dem Geld kann er ein 20 Jahre altes funktionsfähiges kaufen. „Und ich muss 300 Euro Schulden abzahlen, das sind die Raten für Jeans, Schuhe und einen Fernseher.“
Mittsiebzigerin Doris B.* geht an einer Krücke und wird von einer Freundin begleitet. Vor Jahren, als sie noch als Frau eines Akademikers in einem großen Haus wohnte, hat sie selbst an die Aktion 100 000 gespendet. Da das Haus verkauft ist und ihr Mann auszog, lebt sie nun notgedrungen in einer Flüchtlingsunterkunft und ist froh, von der Benefiz-Initiative unterstützt zu werden. „Ich bin überwältigt davon, wie viele Leute bereit sind, zu helfen. Danke.“
„Es ist ein Anfang“, kommentiert Angelika P. die Summe auf ihrem Scheck. Der schwerstbehinderten Frau im Rollstuhl mussten alle Zähne gezogen werden. Sie braucht acht Implantate, die ihr in einer Spezialklinik in Vollnarkose eingesetzt werden. Angelika P. hofft auf weitere Spenden und sehnt sich danach, endlich wieder Fleisch essen zu können.
Bei Alina T.*, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die trotz Vollzeitarbeit und Nebenjob stets knapp bei Kasse ist, hat sich die ohnehin bescheidene Lage zwischenzeitlich verschärft: Nach einem Unfall an Silvester mit anschließendem Krankenhausaufenthalt pendelt sie zwischen Ärzten und Kindern. Doch es gibt auch Gutes zu berichten. Ein Ehepaar hat sich gemeldet, und der Familie einen Tagesausflug ins Allgäu angeboten. Das Geld für die Autoreparatur kann sie dank der Spende bezahlen, ohne weiter in die Miesen zu kommen. „Darüber bin ich mehr als froh.“
* Name geändert
ein Artikel von Birgit Eberle



