01.12.2025
Ein Sammelteller macht morgens um 2.59 Uhr die 100.000 Euro voll
Das Kornhaus droht, aus den Nähten zu platzen. Spender, Publikum und Auktionatorin geben alles. Susanne Rothfuß-Wamsler holt am Samstag aus 2500 Objekten raus, was geht. Die Freude über das Traumergebnis ist groß.
Diese Benefiz-Auktion ist einfach einmalig. Das Podium des Kornhaussaales gleicht einem Mega-Gabentisch der Extra-Art. Wo sonst bitteschön warten Joghurt, Krügerrand-Münzen, ein Elefant aus Pappe, Computer-Kunst, ein Taucheranzug und antike Metallhörner einträchtig nebeneinander auf neue Besitzerinnen und Besitzer? Rund 2500 Objekte kündigt Chris Mertl, Leiter der Aktion 100 000 und Ulmer helft als Versteigerungsgut an. An seiner Seite, Marathon-Auktionatorin Susanne Rothfuß-Wamsler. Sie hämmert von 17 Uhr bis 2.59 Uhr durch – unterbrochen nur von einer Mini-Pause.
Mit Strickzeug und Spätzle am Familien-Stammplatz
Die Geschwister Florian Vogt (37) und Nicole Bolkart (47) haben ihren Stammplatz in der Mitte des Publikums-Blocks ergattert. „Unsere Familie sitzt immer hier“, sagt die Ergotherapeutin. Sie hat ihr Strickzeug ausgepackt und hofft, dass der Schal bis zum Ende des Abends fertig sein wird. Ihr Bruder löffelt erst mal die mitgebrachten Linsen und Spätzle weg. Hinterher ist bestimmt noch Platz für die Gulaschsuppe, die Wilken gespendet hat.
In der ersten Reihe bieten Franziska (6) und Elisabeth (4) bei der Kids-Time fleißig mit, die speziell für Kinder gedacht ist. „Den beiden hat es bei der Ulmer Feuerwehr so gut gefallen, dass sie wieder Gutscheine für einen Besuch ersteigert haben“, sagt Mutter Claudia Knein. Der achtjährige Finn Häge aus Langenau hat dagegen ein Puzzle und ein großes Überraschungsei erbeutet. Nicht nur, weil das Schoko-Ei eine Delle bekommen hat, wird es den Abend wohl kaum überleben.
Für Rothfuß-Wamsler ist Saal im Kornhaus ihr „Wohnzimmer“
Um 18 Uhr öffnet die Auktionatorin ihr „Wohnzimmer“, wie sie den Kornhaussaal nennt, für die Hauptversteigerung. „Sie müssat hier auch Sacha mitnemma, die Ihne net so gfallat. Also net bloß die Rosina rauspicka hier“, bringt Rothfuß-Wamsler ihre Wohnzimmer-Gäste in die Spur. Im Klartext: Alles muss weg!
Und es geht weg. Das Opernglas landet – nachvollziehbar – in der letzten Reihe, die rote Designer-Handtasche geht an eine Frau, die später noch einen Schmalztopf und eine Überraschungskiste ersteigern wird. Die gebrauchte Küchenmaschine findet genauso einen Abnehmer wie die Bierfässle, mit denen Rothfuß-Wamsler das Publikum erst mal foppt und sie als „alkoholfrei“ anpreist. Manche Dinge sind dem Publikum besonders viel wert. „Des koschtet ja hier doppelt so viel wie im Lada“, freut sich die Auktionatorin.
Malischewski-Hut wechselt von FWG zur CSU
Ein Hut des Ehemanns von Ex-Stadträtin Helga Malischewski sitzt künftig fest auf dem Kopf von Franz Münzenrieder. „Ich bin Hutträger, weil sie meine leichte Frisur kaschieren“, sagt der 57-jährige Steuerberater und lacht. Der Texashut hat mit der Auktion die Fraktion gewechselt. Münzenrieder sitzt für die CSU im Illertisser Stadtrat.
Ist es ein Raunen oder kann man gar leichte Buhtöne heraushören? Wie immer auch. Die Tickets für Fußballspiele des SSV Ulm kommen genauso erfolgreich unter den Hammer wie Eintrittskarten für das Konzert von Roland Kaiser im Sommer auf dem Münsterplatz.
OB Ansbacher feuert Publikum an
Geräuschlos und flott kommt dagegen der 10.000-Euro-Gutschein des Autohauses Wuchenauer an die Frau. Carmen Uetz ist Benefiz-Dauergast. Hat sie vor zwei Jahren bereits ein E-Bike ersteigert, ist in diesem Jahr der Auto-Gutschein dran, denn ihr Opel Meriva, ein Erbstück ihres Vaters, ist in die Jahre gekommen. Um 20.30 Uhr geht die Angestellte der Stadt Ulm in einen Bieterwettstreit um den 10.000-Euro-Gutschein des Autohauses Wuchenauer. Mit ihrem Gebot von 9200 Euro hat sie die Nase vorn und sitzt schon mal im Renault Twingo Probe.
Trotz großer Termindichte, schaut gegen 23 Uhr der Ulmer OB, Schirmherr der Aktion 100 000 und Ulmer helft, im Kornhaus vorbei. Martin Ansbacher nimmt Platz neben einer versteigerten Eismaschine, auf der ein Karton mit einer elektrischen Wärmedecke liegt. Ihm macht sein Abstecher im Kornhaus sichtlich Spaß. „Auf geht’s!“ Der OB feuert das Publikum an, die vom Rathaus gespendeten Lose – von der Uhr bis zur Weihnachtsmarkt-Tasse – zu ersteigern.
Je später der Abend, desto vergnügter die Gäste. In Rothfuß-Wamslers Wohnzimmer geht es gesellig her. Vor allem eine Gruppe junger Leute hat Riesenspaß. Die Auktionatorin holt aus einer hölzernen Bacchus-Statue das Maximale raus. „Ich geb‘ eine Flasche Wein dazu. Ach was, das gibt gleich einen ganzen Karton.“
Champagner für das letzte Gebot
Ein mit Blümchen verzierter Sammelteller macht morgens um 2.59 Uhr die 100.000 Euro voll. Der Mann, der ihn ersteigert, bekommt eine Flasche Champagner dazu. Aktionsleiter Chris Mertl ist happy. „Ich bin stolz aufs Team, dass wir das zusammen gerockt haben und bedanke mich außerordentlich herzlich bei allen Spendern und Unterstützern. Jede Spende ist wichtig, um das Ziel zu erreichen“, betont er. Auch Susanne Rothfuß-Wamsler freut sich: „Mein großer Traum hat sich erfüllt. Wir haben bei der Versteigerung die 100.000 Euro erreicht.“ Der Kassensturz am Sonntagmorgen stimmt ebenfalls froh: Bewirtung und Nachverkauf stocken um 8000 Euro auf.
ein Artikel von Birgit Eberle



