07.04.2026

39-Jähriger kämpft gegen drohende Erblindung – „Ich sehe wie im Nebel“

07.04.2026 | Ein MS-Patient aus dem Kreis Neu-Ulm hofft auf Rettung seines Augenlichts durch eine Eyetronic-Therapie. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.


„Es ist fünf vor Zwölf“, sagt Luca Romano (Name von der Redaktion geändert). „Damit ich nicht erblinde, brauche ich schnellstmöglich eine Eyetronic-Therapie.“ Der 39-Jährige faltet nervös die Hände, der Mundbereich zuckt immer wieder – eine Reizung seines Gesichtsnervs. Romano leidet seit zwölf Jahren an Multipler Sklerose (MS). In dessen Folge hat er zahlreiche andere Krankheiten bekommen. Neben einer Trigeminusneuralgie, einer chronischen Schmerzerkrankung, die sich durch blitzartige, extrem starke, einseitige Schmerzattacken im Gesicht äußert, hat Romano auch eine Sehnervenentzündung (Optikusneuritis).

Ein Schleier vor den Augen, vermindertes Farbsehen und Schmerzen bei den Augenbewegungen. All das kennt der 39-Jährige, der in Berghülen aufgewachsen ist und mittlerweile im Landkreis Neu-Ulm lebt. „Ich sehe unscharf, wie im Nebel.“ Gelb von Orange unterscheiden, sei nicht mehr möglich. Er sagt: „Signalfarben bei Straßenschildern blenden mich.“ Durch die MS-Erkrankung seien bei ihm Nervenzellen abgestorben. Da abgestorbene Nerven nicht regenerieren, ist der Schaden irreversibel. Behandlungen zielen darauf ab, das Fortschreiten aufzuhalten.

Romanos letzte Hoffnung: eine Eyetronic-Therapie. Dabei handelt es sich um ein nicht-invasives, risikoarmes und individuell auf den Patienten angepasstes Stimulationsverfahren bei Gesichtsfeldausfall. Das Ziel ist eine Verbesserung des Sehvermögens durch sogenannte Neuroprotektion und Neuroregeneration. Konkret heißt das: Kleine Stromstöße bringen das Gehirn wieder dazu, die noch vorhandenen optischen Reize korrekt zu verarbeiten.

Romano dazu: „Ich habe in Neu-Ulm eine Ärztin gefunden, die das macht.“ Die Therapie umfasse zehn Sitzungen, die an aufeinanderfolgenden Arbeitstagen durchgeführt werden. Eine Sitzung dauere etwa 90 Minuten. Ein Anspruch auf Kostenübernahme seitens der Krankenkasse besteht in der Regel nicht. „Die mündliche Ablehnung kam bereits, die schriftliche wird noch kommen.“ Die Therapie kostet 4.000 Euro, Geld, das der 39-Jährige nicht hat. Denn Romano erhält seit 2018 monatlich eine Erwerbsminderungsrente in Höhe von 1.010 Euro. Abzüglich der laufenden Kosten, wie Miete, Strom, Wasser, Heizung und Telefon bleiben ihm 150 Euro zum Leben. „Es reicht vorne und hinten nicht.“

„Ich war geschockt, habe viel geweint“

Vor der MS-Erkrankung war Romano Rettungsschwimmer, er spielte gern Fußball und Tischtennis. „Heute bin ich froh, wenn ich allein die Stufen in den ersten Stock schaffe.“ Während seiner Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bricht die Krankheit aus. „Mir war schwindlig, ich hatte Probleme mit dem Gleichgewicht.“ Ein Arzt aus Blaustein sagt dem damals 27-Jährigen, dass er unter MS leidet und, dass man diese Krankheit nicht nur ein Leben lang hat, sondern der gesundheitliche Zustand immer schlimmer werde. „Ich war geschockt, habe viel geweint.“ Seine Ausbildung schließt Romano gerade noch so ab. „Arbeiten ist nicht möglich, aber ohne Arbeit fühle ich mich wertlos.“ Auch seine Ehe scheitert, das Kind lebt bei der Mutter, kommt ihn aber besuchen. „Ich habe mir mein Leben ganz anders vorgestellt.“

„Ich würde zum Pflegefall werden“

Unterstützung erhält er von einer guten Freundin, die ihn bei seinen Arztbesuchen begleitet. Sie sagt: „Er ist ein Overthinker, grübelt zu viel.“ Romano wird depressiv, entwickelt eine Angststörung. „Ich habe über Suizid nachgedacht.“ Seine größte Sorge ist, dass er sich nicht mehr um sein sechsjähriges Kind kümmern kann. Scham, Schmerzen, Angst. Um seine mentalen Probleme in den Griff zu kriegen, holt sich der 39-Jährige psychologische Unterstützung. Es folgen viele Arztbesuche. Heute weiß er, bei MS helfen eine Kombination aus medikamentöser Therapie, die dem Verlauf angepasst wird, sowie eine Schubbehandlung, die häufig mit Kortison erfolgt. Aktuell probiere er verschiedene Tabletten und Spritzen aus, um seine MS-Erkrankung zu behandeln. Infusionstherapien vertrage er nicht gut. Er baue dadurch geistig schnell ab. „Ich würde zum Pflegefall werden.“

Der 39-Jährige hat auch das Uhthoff-Syndrom, eine vorübergehende Verschlechterung bestehender neurologischer MS-Symptome durch einen Anstieg der Körpertemperatur. Am 10. Juni hat Romano einen Termin bei einem MS-Spezialisten in Freiburg. „Ich hoffe auf eine Suppression.“ Dabei handelt es sich um eine Linderung der Symptome durch Kühlung, um die Körperkerntemperatur zu senken. Auf die Frage, was er sich für die Zukunft wünscht, antwortet er: „Mehr mit meinem Kind unternehmen können und meine Eltern in Italien besuchen.“ Natürlich stehe der Wunsch, eine Eyetronic-Therapie machen zu können, ebenfalls ganz oben auf seiner Wunschliste.

ein Artikel von Nadja Ruranski

DIREKTE HILFE

Wer "Luca Romano" auf direktem Wege unterstützen möchte, kann dies über die Spendenkonten der Aktion 100 000 und Ulmer helft:

-> Zur Online-Spende

Sparkasse Ulm
IBAN DE47 6305 0000 0000 1000 03
BIC SOLADES1ULM

Volksbank Ulm-Biberach
IBAN DE79 6309 0100 0002 3640 18
BIC ULMVDE66XXX

Verwendungszweck: "Luca Romano"

Hinweis: Sollte mehr Geld als notwendig eingehen, werden damit andere Hilfsbedürftige in unserer Region unterstützt.