Ersatz-Mama gesucht!

Familie unter Schock - Mutter stirbt mit 45 Jahren

Alle helfen, so gut sie können. Doch die ganze Familie steht noch unter Schock. „Ich bin im Funktionsmodus“, sagt Bernhard M. (alle Namen geändert). Zweimal, dreimal ist er in den letzten Wochen in den Wald gelaufen, hat die Bäume angeschrien und seiner Trauer Laut gegeben. Ende Oktober starb seine Frau im Alter von 45 Jahren. Bereits im Frühjahr war sie wegen eines Knotens in der Brust behandelt worden. Doch der sei nicht bösartig, hieß es, und alle waren sehr erleichtert. Ende September suchte sie wegen eines „Ziehens“ im Bauch ihren Arzt auf.  Zwei Wochen später stand die Diagnose fest: Brustkrebs mit Metastasen in der Leber. Die Chemotherapie wurde sofort gestartet. Trotz überaus schlechter Prognose „haben wir bis zur letzten Sekunde gehofft und nach jedem Strohhalm gegriffen“, sagt Bernhard M. Morgens brachte er die Kinder in den Kindergarten und in die Krippe, um dann in die Klinik zu fahren. Hin und wieder lösten ihn seine Mutter und Schwester ab, die sich gemeinsam mit ihm auch um die Kleinen kümmerten.

„Der größte Wunsch meiner Frau war, dass die Kinder keinen Knacks bekommen“, sagt Bernhard M. Das hat für ihn auch jetzt höchste Priorität. Deshalb nahm er umgehend mit dem ambulanten Kinderhospizdienst Kontakt auf, als er hörte, dass der auch Familien unterstützt, in denen ein Elternteil gestorben ist. Die vierjährige Mia habe es besonders schwer, den Tod der Mutter zu verarbeiten.

Nachts wacht Mia schreiend auf

Auch Bernhard M. nimmt Hilfe an, er hat sich an eine psychologische Beratungsstelle gewandt. Er ließ sich im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber krank schreiben, stemmt zusammen mit seiner Mutter, den Schwiegereltern, der Schwägerin und Schwester den Alltag. Seit Anfang Dezember arbeitet er wieder, und er spürt: Den Kindern macht es Schwierigkeiten, sich auf die häufigen Wechsel der Betreuungspersonen einzustellen. Insbesondere Mia reagiere stark, wache nachts schreiend auf und akzeptiere inzwischen nur noch den Papa als „Bestimmer“. Sein Ziel lautet daher: „Oma soll Oma und Tante soll Tante bleiben“, mit denen die Kinder gerne Zeit verbringen, die aber nicht auf Dauer für den normalen Alltag zuständig sind. „Schließlich trauern auch sie um Tochter, Schwester oder Schwiegertochter“, sagt Bernhard M.

Er sucht nun eine verlässliche und langfristige Bezugsperson für die Geschwister. Da er im Außendienst tätig und oft zehn Stunden unterwegs ist, müsste sie viel Zeit haben und flexibel sein. In der Vergangenheit haben er und die Kinder, unter anderem als seine Frau wegen zweier Bandscheiben-Vorfälle operiert werden und anschließend zur Reha musste, bereits Erfahrungen gemacht mit Familienhelferinnen – gute und weniger gute. Er weiß: Die Chemie muss stimmen. So hat er Kontakt aufgenommen mit dem Tagesmütter-Verein und auch mit der Kinderfrau, von der alle begeistert gewesen waren.

 Ob er sie oder eine andere passende „Ersatzmama“ engagieren und ein für die Kinder optimales Modell verwirklichen kann, hänge jedoch von seinen finanziellen Möglichkeiten ab. Die sind nicht zuletzt wegen der Schulden für den Hausbau eingeschränkt. Und trotz möglichem Zuschuss vom Landratsamt kommt ihn die Betreuung unter Umständen teuer zu stehen, zumal Kita-Gebühren ja ebenfalls anfielen, sagt Bernhard M. Er spricht sehr offen über seine Situation und ist dankbar ist für die Hilfe von Verwandten, Bekannten und Nachbarn, die im Notfall einspringen könnten, wenn die Abläufe wieder geregelt sind und Stabilität eingekehrt ist.

Bernhard M. und Familie unterstützen:

Hilfe Wer Bernhard M. und seinen beiden Kindern unter die Arme greifen will, vermerkt auf der Überweisung das Stichwort „Bernhard M.“

Bericht: Barbara Hinzpeter, SÜDWEST PRESSE
© Foto: Peter Kneffel/dpa